Deutscher König, amtlich König in Germanien oder Germaniae Rex, deutscher Herrschertitel. Seit dem 919, mit Wahl Heinrich I. von Sachsen (876–936), Titel des Herrschers jener Gebiete, die bisher das Ostfrankenreich gebildet hatten. Dieses hatte sich mit der Wahl des ersten Sachsenkönigs endgültig vom karolingischen Gesamtreichskonzept getrennt und wurde nun in das regnum Germaniae „Königreich Deutschland“ reorganisiert.

Das deutsche Königtum fußte auf dem germanischen und führte dessen Königsrechte weiter. Der König war oberster Heerführer und Richter und bildete die Spitze des Lehnwesens, das pyramidenförmig gestaffelt war. Er sicherte den Friedensbann und übte die Hoheit über die Reichskirche aus. Seine Einkünfte stammten aus dem treuhänderisch verwalteten Reichsgut, den Regalien und seinem eigenen Hausgut. Die Stammesherzöge vertraten in ihren Herzogtümern die Interessen des Königs und agierten dort als dessen regionaler Stellvertreter. Mit der Abschaffung der Stammesherzogtümer zugunsten kleinräumiger Herzogtümern in Form von Territorialstaaten hatte der Deutsche König keine reale Machtposition innerhalb Deutschlands mehr aufzuweisen, da er keine Zentralmacht mehr besaß. Seit 962 war sein Titel mit dem des Römischen Kaisers verbunden und nur ein Deutscher König durfte nach Verfassungsrecht des römisch-deutschen Reiches den Titel Römisch-Deutscher Kaiser führen.

Seit 1438 lag der Titel „Deutscher König“ beim Haus Habsburg, wo er mit Ausnahme Karls VII. (1697–1745; reg. 1742-1745), dem Kurfürsten Bayerns, zumeist von der deutschen Linie getragen wurde. Seit 1508, dem Regierungsantritt Maximilian I. (1459–1519; reg. 1459-1519) , war es unüblich geworden, dass der Deutsche König automatisch durch den Papst in Rom zum Römischen Kaiser gekrönt wurde. Stattdessen führte der dieser nur den Titel „Erwählter Römischer Kaiser“. Karl V. (1500–1558; reg. 1519–1556) , welcher der spanischen Linie der Habsburger entstammte, war der letzte Deutsche König, der 1530 durch einen Papst gekrönt wurde.

Etymologie

Seinen Ursprung hatte der Titel „Deutscher König“ zunächst im Herrschertitel „Fränkischer König“, der bis zur Wahl der Sachsenkaiser den Herrschern des fränkischen West- und Ostreiches zustand, mit dem diese die legitime Rechtsnachfolge Karls des Großen (747/48?–814) für sich und ihren Herrschaftsraum beanspruchten. Da das Ostfrankenreich jedoch, von wenigen romanischen und slawischen Minderheiten an den Grenzen abgesehen, keine anderen bedeutenden Völkerschaften außer den germanischen Stämmen der Alemannen, Baiern, Teile der Franken, Sachsen und Thüringer sowie den späteren Reichsromanen in Lotharingen, deren Führungsschicht überwiegend germanischsprachig war, aufwiesen, wuchsen diese zwischen 1000 und 1500 zum deutschen Volk zusammen, zu dem sich später auch Teile der Friesen rechneten. „Deutsch“ bedeutete bis zum 19. Jahrhundert nichts anderes als westgermanisch, nicht romanisch, slawisch oder skandinavisch zu sein.

Vorraussetzungen der Königswürde

Das Königreich Deutschland, verschiedentlich aus als deutsches Königreich oder Königreich Germanien bezeichnet, war bis zu seiner formaljuristischen Auflösung (1806) eine Wahlmonarchie, bei der das Wahlrecht durch das Geblütsrecht des Adels bestimmt wurde. Bis Ende des 12. Jahrhunderts wurde der König mit Einstimmigkeit von allen Wahlfürsten (die im Wesentlichen aus den alten Stammesherzögen gebildet wurden) gewählt. 1356 wurde dieses Wahlrecht auf die Träger der sieben Erzämter, den Kurfürsten, übertragen. Diese Erzämter wurden in der Goldenen Bulle, dem Staatsgrundgesetz des Reiches, definiert. Einer der Kurfürsten stellte der König von Böhmen dar, dem einstigen nichtdeutschen Fürsten jener Zeit, der in diesem Gremium vertreten war.

Darüber hinaus musste ein möglicher Deutscher König auf eine starke Hausmacht (die durch familiären Verbindungen in andere Königshäuser usw. begründet waren) zurückgreifen können, um sich gegen die Kurfürsten durchzusetzen, sodass diese ihn wählten. Vielfach wurde die Position vom Vater auf den ältesten Sohn vererbt, sodass diese germanisch-deutsche Wahlmonarchie schon deutliche Zeichen einer Erbmonarchie aufwies. Vielfach wurde die teilweise willkürlich vom Vater festgelegte Erbfolge, indem beispielsweise der aus einer Nebenlinie hervorgegangene Lieblingssohn als Nachfolger designiert wurde, von den älteren Geschwistern angefochten, da ihnen gemäß germanisch-deutschen Recht die Nachfolge zustand. So waren familiäre Kriege untereinander nicht unüblich, um die Erbrechte durchzusetzen.

Siehe auch

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