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Deutschlandfrage [ˈdɔɪ̯t͡ʃlantˌfʁaːɡə], auch nationale Frage der Deutschen oder Deutsche Frage, Substantiv, Femininum. Geopolitisches Großraumkonzept, das sich 1945–1990 eng mit der Rechtslage Deutschlands nach dem 23. Mai 1945 auseinandersetzte und am 3. Oktober 1990 seinen Abschluss fand.

Die Deutschlandfrage wurde in der deutschen Geschichte mehrmals gestellt.

Lösungsansätze (absteigend)

1933–1938 verstand die nationalsozialistische Gewaltherrschaft (1933–19459 darunter die Lösung der Österreich- und der Sudetenfrage, um nach Eingliederung dieser Gebiete Großdeutschland bilden zu können.

1918/19–1933 verstand man darunter in Deutschland, die Wiederherstellung der deutschen Ostgrenzen vom 31. August 1914 und die Wiedererlangung des an Belgien abgetretenen Eupen-Malmedys.

1878–1918/19 wurde die Deutschlandfrage vonseiten der Völkischen, insbesondere der Alldeutschen und der Deutschvölkischen, so verstanden, dass Deutschland entweder a.) einen engen militärpolitischen und wirtschaftlichen Zusammenschluss mit Österreich bildet (völkische Lösung) oder b.) dass Deutschland ein wirtschafts- und militärpolitisches Föderationskonzept zwischen Deutschösterreich und dem Reich (Alldeutschland) darstellt, dass die deutsche Vorherrschaft in Europa sicherstellt und dass die heutigen Beneluxstaaten, Französisch-Lothringen und die Schweiz diesem angebunden werden (alldeutsche Lösung) oder c.) dass Deutschland als Großdeutscher Bund (Alldeutschland) konzipiert wird, der sich nach Rasse, Sprache und Kultur zusammensetzt, also ein völkischer Rassestaat wird (deutschvölkische Lösung).

1866–1870/71 verstand man unter Deutschlandfrage die Lösung der damaligen Deutschen Frage unter Ausschuss Österreichs.

1815–1866 wurde die Deutschlandfrage offiziell nicht gestellt, da sie mit Gründung des Deutschen Bundes als gelöst schien. 1848/49–1852 stellte sich die Frage neu, nachdem sich 1817–1832 eine deutsche Nationalbewegung herausgebildet hatte, die einen deutschen Zentralstaat nach frz. Vorbild forderte. Die Bildung eines Deutschen Reiches scheiterte am österreichisch-preußischen Gegensatz, ob Deutschland groß- oder kleindeutsch werden solle.

1806–1815 stellte die Deutschlandfrage jene Situation dar, wie die Deutschen nach dem Untergang des Römisch-Deutschen Reiches staatlich neu zu organisieren seien. Man entschied sich auf dem Wiener Kongress für die Restauration, für die Wiederherstellung alter Verhältnisse. Der Deutsche Bund, das Deutschland des frühen 19. Jahrhunderts, stellte einen Staatenbund von 39 deutschen Staaten dar, den zwei Großmächte (Preußen, Österreich) dominierten.

Siehe auch

  • Danzigfrage
  • Saarfrage
  • Südtirolfrage