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Die territorialen Erweiterungen des III. Reiches

Großdeutsches Reich [ˈɡʁoːsˌdɔɪ̯t͡ʃəs ʁaɪ̯ç], Großdeutsches Volksreich[1] oder Großdeutschland (umgangssprachl.), amtl. Deutsches Reich, Staatskonstrukt in Europa, Zeit des Nationalsozialismus. Offizielle, aber international nicht anerkannte Bezeichnung, des deutschen Nationalstaates nach dem März 1938. Bis 1942/43 erfolgten zahlreiche Gebietserweiterungen auf Kosten europäischer Nachbarstaaten.

Der völlig auf den Führer der NSDAP ausgerichtete Einheitsstaat („Führerstaat“) orientierte sich ab 1939 offen an der alldeutschen Idee. So wurden denn auch nach dieser bis 1942 die Grenzen des Großdeutschen Reiches gezogen, deren Linien im Osten am westlichen Bug, im Süden an den Alpen und den Karawanken und im Westen an den Vogesen lagen. Im Norden bildeten Nord- und Ostsee die Grenzen. Nach der kruden Vorstellung Adolf Hitlers (1889–1945) sollte das Großdeutsche Reich den Kern eines späteren Großgermanischen Reiches Deutscher Nation bilden, dessen Elite die Allgemeine- und die Waffen-SS darstellen sollte. Verwirklicht wurden diese Pläne jedoch nie.

Während des II. Weltkrieges (1939–1945) wurde von den späteren Kriegssiegern, den Alliierten, beschlossen, alle Gebietserweiterungen des Deutschen Reiches, mit Ausnahme des Saaranschlusses, nicht anzuerkennen und dessen politische Außengrenzen auf den Gebietsstand vom 31. Dezember 1937 zurückzusetzen und nach Beendigung des Krieges dieses militärisch zu besetzen und in Besatzungszonen einzuteilen. (→ Altreich, Deutschland als Ganzes)

Etymologie

„Großdeutsches Reich“ als politisches Konzept der frühen Völkischen führt sich auf die revolutionäre Idee des Jahres 1848/49 zurück, alle Deutschen innerhalb des damaligen Deutschen Bundes (1815–1866) und des damaligen Österreichs staatlich zu vereinen. Damals scheiterte die sogenannte großdeutsche Idee am Widerstand des Hauses Habsburg-Lothringen, auf seine nichtdeutschen Siedlungsgebiete der Monarchie zu verzichten. Ende des I. Weltkrieges (1914–1918) kam im Oktober 1918 innerhalb des auseinanderbrechenden Österreich-Ungarn die Österreichfrage wieder auf, als sich die deutschen Siedlungsgebiete (Deutschösterreich) zur Republik Deutschösterreich zusammenschlossen, welche am 12. November 1918 beschloss, Teil des Deutschen Reiches zu werden. (→ Deutschland in den Grenzen vom 12. November 1918)

Nachdem die Triple Entente, die Kriegssieger des I. Weltkrieges, den Anschluss Österreichs verboten und dieses sogenannte Rest-Österreich mit einem Anschlussverbot belegten, schien im Frühjahr 1938 die Österreichfrage (unter nationalsozialistischen Vorzeichen) als gelöst.

Fläche, Bevölkerung, Gliederung

Das Großdeutsche Reich galt zwischen 1940 und 1943 als einflussreichster Staat des europäischen Kontinents. Doch war es im Großen und Ganzen ein Nationalitätenstaat, in dem viele Ethnien zwangsvereinigt waren. Seinen Kern bildete das eigentliche Großdeutschland, in dem fast ausschließlich ethnische Deutsche lebten.

Am 13. März 1938 umfasste Großdeutschland, das heißt, der aus dem Deutschen Reich und Österreich gebildete „Volksstaat“, 554 581 qkm mit rund 72,8 Millionen Einwohnern. Mit Anschluss des Sudetenlandes vergrößerte sich der Gebietsstand im Oktober gleichen Jahres auf 583 581 qkm und die Bevölkerung stieg auf etwa 76,5 Millionen Einwohner an.

1939 erfolgte auf deutschem Druck die Zerschlagung der Tschechoslowakei. Die Slowakei wurde deutscher Satellitenstaat und die „Rest-Tschechei“ wurde militärisch vom Großdeutschen Reich besetzt und bildete dort das Protektorat Böhmen und Mähren. Etwas später führte ein deutsch-litauischer Staatsvertrag das 1923 von Litauen annektierte Memelgebietheim ins Reich“, wodurch dessen Gebiets- und Personenstand auf 586 238 qkm und 79,6 Millionen Einwohner vergrößert wurde. Böhmen-Mähren blieb zwar völkerrechtlich selbstständig, doch wurde es de facto wie Reichsgebiet behandelt, sodass das Großdeutsche Reich mit diesem zusammen 635 163 qkm und rund 86,4 Millionen Einwohner aufwies.

Im Oktober 1939 gliederte das Großdeutsche Reich nach Beendigung des Deutsch-Polnischen Krieges die sogenannten Ostgebiete, die aus den 1918/22 abgetretenen deutschen Gebietsteilen und angrenzenden polnischen Gebieten gebildet wurden, ein, die 91 974 qkm und über 9,6 Millionen Einwohner umfassten.[2]

1940 befand sich das Großdeutsche Reich auf dem Zenit seiner Macht und das von Hitler maßgeblich geprägte Staatskonstrukt umfasste 894 277 qkm mit 118,7 Millionen Einwohnern. Davon entfielen auf Großdeutschland 698 368 qkm mit etwa 93,7 Millionen Einwohner, 48 959 qkm auf Böhmen-Mähren mit rund 7 Millionen Einwohnern und 146 900 qkm mit etwa 18 Millionen Einwohnern auf das Generalgouvernement.[3] Die Bevölkerungsdichte lag bei 139 Personen pro Quadratkilometer.

De jure war auch das Großdeutsche Reich in 27 deutsche Länder gegliedert. Ein Erbe der ihm vorausgegangenen Weimarer Republik. Nach Aufhebung deren Teilsouveränität (30. Januar 1934) im Zuge der nationalsozialistischen Gleichschaltung waren sie nur noch bloße Verwaltungseinheiten, die de facto von den Gauen der NSDAP überdacht wurden. Aus diesem Grund nahm auch das Reich nach 1935 weiterhin Gebietsreformen, deren letzte vom 25. Juni 1941 die bis dahin noch bestehenden Exklaven der Länder beseitigt und diese in die umschließenden Nachbargebiete integriert wurden.[4]

Verhältnis zum deutschen Sprachraum

Ab Sommer 1940 befand sich das Großdeutsche Reich auf dem Höhepunkt seiner Macht und umfasste 823 543 qkm (1941).[5] Davon bildeten exakt 674 131 qkm deutsches Sprachgebiet. Bereits 1922 hatte der Sudetendeutsche und überzeugte Nationalsozialist Rudolf Jung (1882–1942) propagiert, dass Großdeutschland (in Form des deutschen Sprachgebietes) 686 090 qkm umfasse;[6] allein die Deutschschweiz mit 23 800 qkm und Liechtenstein mit 159 qkm sowie die walserdeutschen Gebiete des Aostatals lagen außerhalb der von Hitler bis 1941/42 gezogenen Grenzen.

Tabelle der Gebietserweiterungen des III. Reiches (1938–1943)

Nachfolgende Tabelle basiert auf Angaben des vom Melchior Verlages neu herausgegebenen Deutscher Soldaten-Atlas von 1941, insbesondere auf die Angaben der dort veröffentlichten Darstellungskarte, die die territoriale Entstehung des Großdeutschen Reiches dokumentiert (S. 40):

Deutsche Gebietserweiterungen (1938–1943)
Name Fläche in qkm Einw. in Mio. Datum des Erwerbs
Österreich 83 764 6,76 13. März 1938
Sudetenland 28 971 3,64 1.–10. Oktober 1938
Protektorat Böhmen und Mähren 48 925 6,79 16. März 1939
Memelgebiet 2828 0,15 22. März 1939
Freistaat Danzig 1893 0,41 1. September 1939
Neue deutsche Ostgebiete 91 974 9,63 26. Oktober 1939
Suwalki 2000[7] 125 000[7] 26. Oktober 1939
Südostpreußen 13 186[8] 895 000[8] 26. Oktober 1939
Generalgouvernement für die besetzten polnischen Gebiete 93 871 12,11 19. Oktober 1939
Ostbelgien 1056 0,07 18. Mai 1940
Elsass-Lothringen 14 522 1,92 2. August 1940
Oberkrain 3200 266 000 14. April 1941
Untersteiermark 6800 575 000 14. April 1941
Bezirk Bialystok 31 000 1,382 27. Juni 1941
Distrikt Galizien 51 200[9] 4,4[9] 1. August 1941
Luxemburg 2586 0,3 30. August 1942
Deutsche Operationszonen 27 457 2,5 10. September 1943

Hintergrundinformationen zu den angegliederten Gebieten

Wie aus der Tabelle ersichtlich, gehörten dem Großdeutschen Reich nicht nur deutschsprachige, sondern auch fremdsprachige Gebiete und Regionen an. Völkerrechtlich bestand es lediglich in den Grenzen Großdeutschlands, das heißt aus dem Gebiet es Altreiches zuzüglich Österreich, dem Sudetenland und dem Memelgebiet. Alle anderen Gebiete sind vielmehr als deutsches Einflussgebiet zu werten, deren teilweise Eingliederung in den deutschen Staatsverband völkerrechtswidrig war.

Was waren aber die Hintergründe, die dazu führten, dass obengenannte Staaten und Gebiete vom Deutschen Reich annektiert wurden?

  1. Österreich: Der Anschluss des nunmehr „Ostmark“ genannten Österreichs, welcher als „Wiedervereinigung“ propagiert wurde, erfolgte durch das völkerrechtlich nicht abgesicherte Gesetz über die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich.
  2. Sudetenland:Das Münchner Abkommen vom 29. bis 30. September 1938 stellte die völkerrechtliche Garantie Hitlers gegenüber Frankreich, Großbritannien und Italien dar, dass mit der Eingliederung der sudentendeutschen Gebiete die reichsdeutschen Ansprüche auf deutschsprachige Gebiete beendet seien. Der Tschechoslowakei wurde dort zudem der Weiterbestand zugestanden. Gemäß dieses Abkommens erfolgte zwischen dem 1. und 10. Oktober 1938 die schrittweise Eingliederung der beanspruchten Gebiete infolge des Einmarsches deutscher Truppenverbände von Deutscher Wehrmacht, SS-Verfügungstruppe und SS-Totenkopfverbänden. Bis November 1938 erfolgten etwa 50 Grenzverträge zwischen der Reichsregierung und des tschechoslowakischen Präsidenten, welche abschließende Grenzberichtigungen vorsahen.
  3. Protektorat Böhmen und Mähren: Die Zerschlagung der Rest-Tschechei erfolgte kurz Zeit später, nachdem Hitler im vorgenannten Abkommen zugesichert hatte, diese in ihrem jetzigen Gebietsstand unangetastet zu lassen. Doch Hitler gelang es, dass sich die Slowakei zum souveränen Staat erklärte und sich „unter den Schutz des Reiches“ stellte. Infolge dessen lud der damalige Führer und Reichskanzler den tschechoslowakischen Präsidenten Emil Hacha (1872–1945) nach Berlin ein, um mit diesem die Zukunft der Rest-Tschechei zu erörtern. Hitler gelang es durch unlautere Methoden, dass sich Hacha für die „Gewährung deutschen Schutzes“ aussprach. Damit war das Ende der Tschechoslowakei besiegelt. Den Tschechen wurde von Hitler zugesichert, dass sie national unberührt blieben, ihre eigene Regierung und Staatsangehörigkeit behielten. Offiziell wurde das Gebiet ein Reichsnebenland. Kurz nach Abschluss der Gespräche rückten deutsche Truppenverbände ein und besetzten die Rest-Tschechei. Diese wurde völkerrechtswidrig zum reichsdeutschen Protektorat erklärt. Gegenüber den Westmächten, welche gegen diese Annexion protestierten, stellte das Gebiet doch mehrheitlich nicht deutsches Sprachgebiet dar und würde dessen Eingliederung in den deutschen Staatsverband dem Selbstbestimmungsrecht der Völker widerentsprechen, erklärte Hitler, dass Böhmen-Mähren seit über einem Jahrtausend zum deutschen Kulturraum gehöre und bis zur Zerschlagung des römisch-deutschen Reiches stets zu Deutschland gehört habe.
  4. Memelgebiet: Das damalig als „Memelgau“ bezeichnete Gebiet wurde infolge des Versailler Vertrages einer Völkerbundsverwaltung unterstellt und 1920–1923 durch Frankreich verwaltet. 1923 wurde es gegen den Willen der dortigen Bevölkerung durch Litauen annektiert. Die deutsche Bevölkerung dort sprach sich bei Wahlen stets für deutschnationale und völkische Parteien aus, die sich für die Wiederangliederung des Memellandes an Ostpreußen, und somit an das Deutsche Reich, aussprachen. Seit 1933 waren die deutschen Parteien dort faschistoid und orientierten sich immer mehr an der NSDAP. Im März 1939 schlossen die deutsche und litauische Regierung einen Staatsvertrag ab, der die Rückführung des Memellandes regelte. Am 30. März wurde dieser vom damaligen litauischen Parlament ratifiziert.
  5. Freistaat Danzig: Im Versailler Vertrag wurde die ehemalige Hansestadt Danzig von Westpreußen, dessen Hauptstadt es bis 1918/19 war, und vom Deutschen Reich abgetrennt. Es bildete unter dem Schutz des Völkerbundes eine Freie Stadt und war eng an das Zoll-, Post- und Wirtschaftssystem|polnische Zoll-, Post- und Wirtschaftssystem angegliedert. Zudem besaß dort der polnische Staat zahlreiche Sonderrechte. Der Sprache nach definierte sich 97 v. H. als deutsch, sodass Danzig als rein deutscher Staat galt. Hauptziel der deutschnationalen Danziger Politik war es, die Stadt und deren Umland wieder an das Reich anzugliedern. Bereits 1926 wurde das Stadtgebiet Danzigs zum Gau der NSDAP erhoben. 1933, dem Jahr der nationalsozialistischen Machtergreifung, wurde der Danziger Senat, die Regierung des Freistaates, überwiegend durch Vertreter der Danziger NSDAP gebildet, die einen organischen Teil der reichsdeutschen Mutterpartei galt. Ein anderer Teil gehörte der DNVP Danzigs an. Am 1. September 1939 begann mit dem deutschen Überfall auf Polen der II. Weltkrieg und die Danziger Regierung erklärte Kraft Gesetzes („Verfassungsgesetz über die Wiedervereinigung der Freien und Hansestadt Danzig mit dem Deutschen Reich“) den Eintritt Danzigs in das Deutsche Reich. Am 26. Oktober 1939 wurden die Danziger deutsche Staatsangehörige und Danzig wurde Hauptstadt des neuerrichteten Reichsgaus Danzig-Westpreußens. Völkerrechtlich war und ist der Anschluss Danzigs an das Deutsche Reich unwirksam, geschah dieser im Kriegszustand.
  6. Neue deutsche Ostgebiete: Nach dem I. Weltkrieg verlor das Deutsche Reich zahlreiche Gebiete vor allem im Osten, die an Polen fielen. Die deutsche Bevölkerung dort wurde vonseiten der polnischen Behörden minderheitenfeindlich behandelt, obgleich sich der polnische Staat 1918/19 dazu bekannt hatte, die Deutschen in Polen gleichberechtigt zu behandeln und diesen Deutschen Minderheitenrechte zuzugestehen. Bis 1922 jedoch waren bereits fast eine Million Deutsche aus Polen vertrieben worden, sodass es dort nur noch 1,5 Millionen Polendeutsche gab, die sich als Volksdeutsche definierten. Die zahlreichen deutschen Reichsregierungen und die deutsche Minderheit in Polen waren daher bemüht, den 1918/19 entstandenen Polnischen Korridor zu beseitigen und die Grenzen dahin gehend zu berichtigen, dass Danzig und Westpreußen wieder an den deutschen Staat gelangten. Am 1. September 1939 begann der II. Weltkrieg und innerhalb von drei Wochen war der polnische Staat zerschlagen. Mit Wirkung vom 26. Oktober 1939 wurden nicht nur alle Gebietsteile wieder angegliedert, die das Reich durch den Versailler Vertrag verloren hatte (Westpreußen, Danzig, Posen, Teile von Niederschlesien, Polnisch-Oberschlesien), sondern diese wurden durch zahlreiche polnische Gebiete erweitert. Aus den ehemaligen preußischen Provinzen Westpreußen und Posen wurden die neuen Reichsgaue Danzig-Westpreußen und Wartheland errichtet. Doch während die Danziger deutsche Staatsangehörige wurden, blieben die Deutschen der neu angegliederten Gebiete nur deutsche Volkszugehörige, die unter Auflagen Anspruch auf die deutsche Staatsangehörigkeit hatten. Dafür wurden eigens Volkslisten eingerichtet, in denen die Bindung des Einzelnen zum Deutschtum nachgewiesen werden musste. Polnisch-Oberschlesien wurde am NSDAP-Gau Oberschlesien angegliedert und ebenfalls um polnische Gebiete vergrößert. Dort bildete es einen Teil des Regierungsbezirkes Oppeln, der gebietsidentisch mit dem NSDAP-Gau war.
  7. Suwalki: Das ehemalige litauische Suwalki (Suwałki) war wie der polnische Staat ein Opfer des Hitler-Stalin-Paktes, der 1939 Osteuropa in deutsch-sowjetische Interessensgebiete gliederte. Im Wesentlichen orientierte man sich an der sogenannten Curzon-Linie, die in etwa der weißrussischen und ukrainischen Sprachgrenze gegenüber dem Polnischen entsprach. Der Erwerb des nun als Landkreis Sundauen titulierte Gebiet wurde Ostpreußen angegliedert und war überwiegend polnischsprachig.
  8. Südostpreußen: Die 1919 gebildete Woiwodschaft Warschau umfasste Anfang vor Beginn des II. Weltkrieges 31 656 qkm mit rund 2,5 Millionen Einwohner.[10] Nach der Niederwerfung Polens gelangte etwa ein Drittel dieser Woiwodschaft an neu geschaffenen Regierungsbezirk Zichenau, der als „Südostpreußen“ an das nördlich liegende Ostpreußen angegliedert wurde.
  9. Generalgouvernement für die besetzten polnischen Gebiete: Als weitere Folge des Hitler-Stalin-Paktes ging das Generalgouvernement hervor, dass aus den Resten der alten Woiwodschaft Warschau und aus den bisherigen Woiwodschaften Lubin und Krakau sowie der Woiwodschaft Kielce (dem historischen Westgalzien) hervor. Es war wie Böhmen-Mähren ein Reichsnebenland mit eigener Regierung und Staatsangehörigkeit. De facto war es eine Kolonie des Großdeutschen Reiches und sollte de jureNationalstaat“ der Polen bilden. Es setzte sich also aus jenen Gebieten zusammen, die sich westliche der deutsch-sowjetischen Demarkationslinie befanden. Ab August 1941 wurde es stark nach Osten hin erweitert und es wurde nun der westliche Bug zur Grenze genommen.
  10. Ostbelgien: Nach der Niederwerfung Polens begann im Frühjahr 1940 der Westfeldzug gegen Frankreich, wobei die heutigen Beneluxstaaten von der Deutschen Wehrmacht überrannt und einer deutschen Militärverwaltung unterstellt wurden. Gemäß Führererlass vom 18. Mai 1940 wurden Deutschbelgien mit Eupen-Malmedy und dem Montzener Ländchen sowie das benachbarte Neutral-Moresnet dem Großdeutschen Reich angegliedert und verwaltungstechnisch dem NSDAP-Gau Köln-Aachen angegliedert. Die Annexion erfolgte aufgrund dessen, dass die betroffenen Gebiete „[…] nicht als besetztes Feindland angesehen und behandelt werden“ sollen, da sie „innerlich […] mit Deutschland stets verbunden geblieben“ seien.[11] Noch 1940 wurde Ostbelgien einem Chef der Deutschen Zivilverwaltung (CdZ) unterstellt.
  11. Elsass-Lothringen: Das ehemalige Reichsland war erst als Folge des Versailler Vertrages an Frankreich abgetreten worden. Seine Annexion erfolgte mit der gleichen Begründung[11], wie bereits vorher Ostbelgien und das benachbarte Luxemburg. Den alten Verwaltungseinheiten folgend wurde das Elsass dem NSDAP-Gau Baden und Deutschlothringen dem NSDAP-Gau Saarbrücken angeschlossen. Beide sollten als Baden-Elsass und als Westmark in Reichsgaue organisiert werden. Die Neuorganisierung gingen jedoch nicht über die Planungsstufen hinaus. Die Verwaltung der Teileinheiten oblagen jeweils dem CdZ-Gebiet Lothringen und dem CdZ-Gebiet Elsaß.
  12. Oberkrain: Die Oberkrain gelangte 1918/19 an Jugoslawien und war von deutscher Streusiedlung geprägt. In ihrem Süden lag als größte Sprachinseln die von Gottschee, mit etwa 860 qkm und etwa 12 500 Volksdeutschen („Gottscheer“) gebildet wurde. Der Norden war vor allem windisch geprägt, derweil in den meisten größeren Städten deutsche Minderheiten wohnten. Am 6. April 1941 begann der deutsche Überfall auf Jugoslawien, der im Verbund mit den Streitkräften Italiens und Ungarns geführt wurde. Der jugoslawische Teilstaat Slowenien wurde zwischen den Siegern aufgeteilt: 4000 qkm an der Adriaküste (mit der Hauptstadt Laibach) fielen an Italien, knapp 1000 qkm im Nordosten („Übermurgebiet“) fielen an Ungarn, derweil das Gros des Landes von rund 10 000 qkm an das Reich fielen. Damit fielen 800 000 Jugoslawen (Slowenen) unter die Herrschaft der Sieger. Etwa ein Drittel des deutschen Anteils machte die Oberkrain aus, die Mitte April einem CdZ-Gebiet Kärnten und Krain verwaltungstechnisch unterstellt wurde. Die NSDAP wiederum gliederte dieses Gebiet in ihren Parteigau ein. Die Reichsregierung hielt unter den Gottscheern eine Volksabstimmung ab, ob diese „heim ins Reich“ wollten: Rund 95 v. H., also über 11 500, von ihnen stimmten für die Umsiedlung ins Großdeutsche Reich.
  13. Untersteiermark: Die Unter- oder Südsteiermark teilte nach 1918/19 die gleiche Geschichte der Oberkrain. Mit dem deutschen Überfall auf Jugoslawien geriet sie unter der Kontrolle des Großdeutschen Reiches. Im Gegensatz zur Oberkrain war sie jedoch Teilweise ein Bestandteil des im Oktober 1918 ausgerufenen Deutschösterreich gewesen und bildete als „Untersteirisches Dreieck“ den südöstlichen Teil der Steiermark. Ethnisch war sie mehrsprachig. Mit der Angliederung des Gebietes an das Großdeutsche Reich wurde es verwaltungstechnisch an einem CdZ-Gebiet Untersteiermark übergeben, indes die NSDAP die Untersteiermark in ihren Parteigau eingliederte.
  14. Bezirk Bialystok: Infolge des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion („Unternehmen Barbarossa“) wurde erstmals sowjetisches Territorium unterworfen und eingegliedert, als das Gebiet um Bialystok (Białystok) als eigenständiger Bezirk an Ostpreußen angegliedert wurde. Am 27. Juli 1944 wurde dieser Bezirk de facto aufgelöst, als Truppenverbände der UdSSR begannen, deutsches Staatsgebiet zu betreten und aus diesem Grund der Verwaltungssitz Bialystoks ins ostpreußische Bartenstein (Bartoszyce) verlegt wurde.
  15. Distrikt Galizien: Nach Beginn des Deutsch-Russischen Krieges gelangte Ostgalizien an das Großdeutsches Reich, das es anfänglich unter der Bezeichnung „Bezirk Lemberg“ dem Generalgouvernement angliederte. Dadurch reichte das Reich bis an den westlichen Bug. Verwaltungsstadt war Lemberg (Lwów; Львів /L'viv/).
  16. Luxemburg: Infolge des Westfeldzuges gelangte auch das Großherzogtum am 18. Mai 1940 unter die Herrschaft des Großdeutschen Reiches. Anfänglich war es einer Militärverwaltung unterstellt, der aber rasch eine CdZ-Verwaltung folgte. Seine Annexion folgte der ostbelgischen und elsass-lothringischen Begründung.[11] Parteitechnisch wurde Luxemburg in den NSDAP-Gau Moselland überführt, der zum Reichsgau aufsteigen sollte. Doch ging dieser nicht über den Planungsstatus hinaus. Am 10. Oktober 1941 sollten sich die Deutschluxemburger offiziell zum Deutschtum bekennen, doch führten sie diese Volksbefragung ad absurdum: Sie bekannten sich zur luxemburgischen Identität. Daher erfolgte am 30.&nbsp:August 1942 die offizielle Annexion Luxemburgs durch das Reich, wobei die völkerrechtliche Anbindung nach dem deutschen Endsieg vollzogen werden sollte.
  17. Deutsche Operationszonen: Nach dem Kriegsaustritt Italiens (8. September 1940), errichtet das Großdeutsche Reich auf italienischem Territorium zwei Operationszonen: im Norden die Operationszone Alpenvorland mit 17 216 qkm und etwa 1,27 Millionen Einwohnern (Hauptstadt Bozen) und im Osten die Operationszone Adriatisches Küstenland mit 10 241 qkm und rund 1,23 Millionen Einwohnern (Hauptstadt Triest). Die Opertionszonen setzten sich aus Südtirol, dem Trentino und Belluno im Norden sowie die damaligen Provinzen Udine, Triest, Pola, Fiume und Laibach zusammen. Allein Laibach umfasste 4545 qkm mit 0,33 Millionen Einwohnern. Militärisch unterstanden die Gebiete der Heeresgruppe B der Deutschen Wehrmacht. Oberster Kommissar im Alpenvorland war der Gauleiter des Reichsgaus Tirol-Vorarlberg, Karl Hofer (1902–1975), sein Pedant im Küstenland war Gauleiter und Reichsstatthalter Salzburgs, Friedrich Rainer (1903–1947).

Siehe auch

Literatur

  • Josef Wenzler: Wirtschaftliche Erdkunde, Bd. I „Das Großdeutsche Reich“, 5. Auflage 1941; neu herausgegeben und kommentiert von: Holger Tümmler, Melchior Verlag Wolfenbüttel 2011, ISBN 978-3-942562-17-1
  • Michael Herbert Mann: Großdeutschland-Fibel, Internationaler Verlag Cesare Santoro-Berlin 1941; neu herausgegeben und kommentiert von: Holger Tümmler, Melchior Verlag Wolfenbüttel 2011, ISBN 978-3-942562-09-6

Fußnoten

  1. Helmut Berschin: Deutschland – ein Name im Wandel, S. 43; siehe auch bezüglich dort Fußnote 19.
  2. Holger Tümmler (Hrsg.): Deutscher Soldaten-Atlas von 1941, Tabelle „Das Großdeutsche Reich. Die Entstehung Großdeutschlands“, S. 41.
  3. Josef Wenzler: Wirtschaftliche Erdkunde, Bd. I Das Großdeutsche Reich, S. 72.
  4. „Führerverordnung vom 25. Juni 1941“, veröffentlicht im Reichsgesetzblatt Teil I Nr. 72 vom 3. Juli 1941, zitiert nach: Dieter Blumenwitz: Denk ich an Deutschland, Dokumenteinband, S. 16.
  5. Michael Herbert Mann: Grossdeutschland-Fibel, Internationaler Verlag Cesare Santoro-Berlin 1941, S. 6.
  6. Rudolf Jung: Der nationale Sozialismus, S. 12.
  7. 7,0 7,1 Litauische Wikipedia: Suvalkų apskritis (1919–1945), abgerufen am 28. April 2020.
  8. 8,0 8,1 Deutschsprachige Wikipedia: Regierungsbezirk Zichenau, abgerufen am 28. April 2020.
  9. 9,0 9,1 Englischsprachige Wikipedia: District of Galicia, abgerufen am 28. April 2020.
  10. Englischsprachige Wikipedia: Warsaw Voivodeship (1919–1939), abgerufen am 28. April 2020.
  11. 11,0 11,1 11,2 Dieter Blumenwitz: Was ist Deutschland?, S. 25.
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