Hakenkreuzfahne [ˈhaːkn̩kʁɔɪ̯t͡sˌfaːnə] sg., auch ~flagge, Substantiv, Femininum, Ideologie, Politik, Rassismus, Völkische Bewegung, Nationalsozialismus. Sammelbezeichnung aller Fahnen, deren Zentralmotiv ein Hakenkreuz ist.

Nationalsozialismus

Deutsches Reich

Schwebendes Hakenkreuz

Insbesondere wird darunter die im Wesentlichen auf Entwürfen Adolf Hitlers (1889–1945) fußende Parteifahne der NSDAP verstanden, die er im Dezember 1919 dem damaligen Vorsitzenden der DAP, Anton Drexler (1884–1942), in dessen Wohnung vorstellte: Die von Hitler entworfene Fahne weiß auf einem roten Grundtuch einen weißen Hakenkreuzspiegel auf, dessen zentrales Symbol ein schwarzes Hakenkreuz war. Die Farbreihenfolge stand für den sozialen, nationalen und antisemitischen Gedanken der DAP: Rot war Ausdruck eines deutschen Nationalismus, weiß eines völkisch basierten Nationalismus und schwarz stand für den politischen Antisemitismus.

Seit dem 24. Februar 1920 gilt die Hakenkreuzfahne offiziell als politisches Symbol der DAP bzw. der späteren NSDAP. Seit dem Deutschen Tag in Salzburg (7./8. August 1920) war sie zudem politisches Gemeinschaftssymbol aller deutschsprachigen Nationalsozialisten. In der Weimarer Republik wurde sie in der sogenannten Kampfzeit propagandistisch als Massensymbol eingesetzt. Dort wurde sie bei Aufmärschen und Parteitagen wirkungsvoll eingesetzt. Derweil vom Betrachter aus das Hakenkreuz auf der Vorderseite rechtsläufig war, war es auf der Rückseite gegenläufig, also linksläufig, angebracht.

Seit dem 15. September 1935 wurde sie zur Nationalflagge des Deutschen Reiches erhoben, um die „Einheit von Partei und Staat“ zu symbolisieren. Von Staats wegen waren alle Volksgenossen verpflichtet, diese an nationalen Feiertagen an Fenster, Balkons und Hauseingängen anzubringen. Die Befolgung dieser Vorgabe wurde durch eigens durch die Partei bestimmte Personen, in der Regel durch die Blockleiter, überprüft. Eine Nichtbeflaggung konnte für die Verantwortlichen drastische Folgen beinhalten.

Im Zuge der nationalsozialistischen Gleichschaltung wurden ab 1935 allen Behörden und Ämtern, der Deutschen Polizei und der Deutschen Wehrmacht vorgeschrieben, dass sie anstelle der seit 1933 wieder gültigen schwarz-weiß-roten Reichsflagge des Kaiserreiches allein die hakenkreuzbasierte Nationalflagge des Deutschen Reiches zu hissen hatten, sofern für diese keine eigene Dienstflagge auf Basis der NS-Hakenkreuzfahne geschaffen wurde.

Bis zum 18. Juni 1937 waren die Reichs- und Nationalflagge und die Handelsflagge ihrer Ausführung nach mit der Parteifahne der NSDAP identisch. An diesen Tag wurde mit dem Runderlass 1A4139/1013 alle Fahnenhersteller angewiesen, dass bei Neuherstellung der Reichs- und Nationalflagge sowie der Handelsflagge der Hakenkreuzspiegel so anzubringen sei, dass dessen Mittelpunkt um Einzwanzigstel der Flaggenlänge von der Flaggenmittel zur Stange gerückt würde.[1] Die angefügte Darstellungszeichnung differenzierte zwischen Reichs- und Nationalflagge und der Handelsflagge: Bei ersterer musste ein Hakenkreuzspiegel angebracht werden, der ein Hakenkreuz aufwies, das wie auf der Vorderseite rechtsläufig war. Die Handelsflagge dagegen wies auf der Rückseite ein linksläufiges Hakenkreuz auf.[1]

Österreich, Sudetenland

Das Hakenkreuz war schon lange Kennzeichen der deutschvölkischen Bewegung, der auch die antisemitische Bewegung angehörte.

Nach dem I. Weltkrieg (1914–1918) entstand aus der in Österreich-Ungarn beheimateten Deutschen Arbeiterpartei in Aussig, dem heutigen Ústí nad Labem, die Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei (DNSAP), die rasch in einen sudetendeutschen Flügel, dem DNSAP Landesverband Aussig, und einen österreichischen Flügel, dem DNSAP Landesverband Wien, zerfiel. Beide begannen noch 1919 eine lose Zusammenarbeit mit der in München beheimateten Deutschen Arbeiterpartei, Ortsgruppe München.

Beide Gruppierungen nahmen nach dem Deutschen Tag in Salzburg die von Hitler mitgestaltete Hakenkreuzfahne als politisches Symbol ihrer jeweiligen Partei an. Zunächst verwendeten sie Fahnen mit einem stehenden Hakenkreuz, später wurde ein schwebendes Hakenkreuz verwendet. Nach der Selbstauflösung der sudetendeutschen DNSAP verschwand die Hakenkreuzfahne in der Tschechoslowakei offiziell als politisches Symbol. In Österreich war sie seit 1926 politisches Kennzeichen der neugegründeten NSDAP Österreich – Hitlerbewegung, die 1938 in der reichsdeutschen Mutterpartei aufging.

Beschreibung

Die standardmäßige Ausführung der Hakenkreuzfahne umfasste ein rotes Grundtuch in den Maßen 450 × 120 cm, in dessen Mitte ein Hakenkreuzspiegel, das heißt, ein weißer Kreis mit einem Durchmesser von 70 cm, lag. Zentrales Symbol bildete ein schwebendes schwarzes Hakenkreuz. Durch die Farbreihenfolge Schwarz-Weiß-Rot wies die von Hitler entworfene Fahne die kaiserlich-deutschen Farben auf, die damit die NSDAP als antidemokratisch und rechtsnational auswies.

Im Rot sehen wir den sozialen Gedanken der Bewegung, im Weiß den nationalistischen, im Hakenkreuz die Mission des Kampfes für den Sieg des arischen Menschen und zugleich mit ihm auch den Sieg des Gedanken der schaffenden Arbeit, die selbst ewig antisemitisch war und antisemitisch sein wird. —   Adolf Hitler in: Mein Kampf, S. 557.

Die reichsdeutsche Handelsflagge wies in internationalen Gewässern die Maße 500 × 300 cm auf, derweil ihre Maße auf Botschaftsgebäuden auf 200 × 120 cm festgelegt wurde.

Die Reichsdienstflagge umfasste die Maße 300 × 180 cm, indes die Reichskriegsflagge der Wehrmacht 500 × 300 cm umfasste.

Gallerie (Auswahl)

Siehe auch

Literatur

  • Oberkommando der Kriegsmarine (Hrsg.): Flaggenbuch, Reichsdruckerei Berlin 1939, M.Dv.377, neu verlegt bei: Mauritius Buch Verlag 1992, Titel: Das große Flaggenbuch. Historische Faksimile-Edition aller nationalen und internationalen Flaggen 1939–1945, limitierte Auflage 3000 Stück.
  • Hilde Kammer,Elisabeth Bartsch: Jugendlexikon Nationalsozialismus. Begriffe aus der Zeit der Gewaltherrschaft 1933–1945, Rowohlt Taschenbuch Verlag Reinbek 1982, ISBN 3-499-16288-1.
  • Brian L. Davis: Standarten und Flaggen der deutschen Wehrmacht 1933–1945, Podzun—Pallas Verlag Friedberg 1991, ISBN 3-7909-0470-8.

Fußnoten

  1. 1,0 1,1 Wikipedia Commons: German Flag regulation 1937, abgerufen am 13. März 2019.
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