römisch-deutscher Kaiser, offiziell: divina favente clementia electus Romanorum Imperator, semper Augustus, Germaniae Rex „von Gottes Gnaden erwählter Kaiser der Römer, zu allen Zeiten Mehrer des Reichs, König in Germanien (seit 1508), deutscher Herrschertitel bis 1806.

Sinnbild der Aufrechterhaltung der römisch-deutschen Reichsidee durch die deutschen Könige und Kaiser. Er löste die bisherige Bezeichnung Romanorum Imperator „Römischer Kaiser“ ab.

Mit der Auflösung der alten Stammesherzogtümer (12. Jahrhundert) verlor der römisch-deutsche Kaiser immer mehr an Machtfunktionen. Endgültige Entmachtung erfuhr seiner Position im Westfälischen Frieden (1648), der den 30-jährigen Krieg beendete und das neue Staatsgrundgesetz des Reiches darstellte: Der Kaiser hatte im Wesentlichen nur noch repräsentative Funktion, das heißt, er vertrat das mehrhundertfach in Einzelstaaten aufgeteilte Reich völkerrechtlich nach außen und seine Person stellte die lose Klammer dar, die das Reich noch einte. Nach der Gründung des Rheinbundes (1806) erkannte Napoleon Bonaparte (17691821) dem letzten römisch-deutschen Kaiser Franz II. von Habsburg-Lothringen (17681835; reg. 1792–1806) seine völkerrechtliche Legitimität als offizielles Oberhaupt des Reiches ab und forderte diesen ultimativ auf, die Kaiserkrone bis zum 10. August 1806 niederzulegen. Dieser Aufforderung kam Franz II. am 6. August nach und er entband alle Reichsfürsten und -stände von den Verpflichtungen seiner Person gegenüber.

Damit war das römisch-deutsche Reich nach fast einem Jahrtausend Bestand de facto aufgelöst, obgleich mit der Niederlegung der römisch-deutschen Kaiserwürde lediglich eine Thronvakanz eintrat: 1804 hatte Franz II. die Kaiserwürde (unter Bruch des damaligen Reichsverfassungsgesetzes) auf seine Dynastie übertragen. Die Rangerhöhung des bisherigen Erzherzogtums Österreich zum Kaiserreich erfolgte im Zuge der napoleonischen Kaiserkrönung und mit Absprache sowie Einverständnis Napoleons. Damit lebte das römisch-deutsche Kaisertum im Titel Kaiser von Österreich unter Franz I. von Österreich weiter.

Etymologie

Der Titel römisch-deutscher Kaiser symbolisierte formaljuristisch den universellen Machtanspruch des Kaisers über die drei Herrschaftsräume, aus denen sich das römisch-deutsche Reich ursprünglich zusammensetzte: regnum Germaniae „Königreich Deutschland“, das deutschsprachige Gebiet, regnum Burgundiae „Königreich Burgund“, das überwiegend französischer Sprache war und regnum Italiae „Königreich Italien“, dass seinen Ursprung in der einstigen langobardischen Königswürde hatte.

Ableiten ließ sich dieser Titel per Tradition auf den Königstitel Reichsitaliens, der zwischen 800 und 924 auch von den meisten deutschen Herrschern gehalten wurde. Erst mit der Reichsteilung von Prüm wurden der deutsche und der italienische Titel getrennt und die deutschen Herrscher führten den Herrschertitel des römischen Kaisers ein.

Dessen Attribute, „römisch“ und „deutsch“, weisen auf die Grundidee der Reichsgeschichte hin: „Römisch“ war diese, da sich die deutschen Herrscher im Grunde seit Karl dem Großen (747/48?–814; reg. 800–14) in der Tradition stehend sahen, dass Römische Reich weiterzuführen. (→ Renovatio imperii „Wiederherstellung des Imperiums“)

„Deutsch“ war sie, weil seit dem späten Mittelalter im Grunde nur noch das Königreich Deutschland diese universelle Reichsidee vertrat, da die anderen im römisch-deutschen Reich lebenden Völker begannen, sich in moderne Nationalstaaten zu organisieren. Das deutsche Nationalbewusstsein erwachte relativ spät, erst 1770 mit der deutschen Bewegung kam es sachte und gemäßigt auf.

Siehe auch

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