FANDOM


Brockhaus 1894 Deutsche Mundarten

Geltungsbereich der deutschen und niederländischen Dialekte um 1894.

Niederländisch [ˈniːdɐˌlɛndɪʃ] (Nederlands), auch niederländische Sprache (Nederlandse taal), Duytsch „Deutsch“ (obsolet), Nederduitsch „Niederdeutsch“ (obsolet), Holländisch (umgangsprachlich) oder Flämisch (umgangssprachlich), Substantiv, Neutrum, Glottonym, Eigenname. Germanische Sprache in Europa, deren geschlossenes Sprachgebiet rund 18 Millionen und weltweit etwa 26 Millionen Sprecher umfasst. Es ist Staatssprache in den Niederlanden und eine der drei Amtssprachen in Belgien sowie Amtssprache auf den ehemaligen niederländischen Antillen und im ehemaligen Niederländisch-Guayana, dem heutigen Surinam.[1]

Niederländisch ist zum Teil noch Kultursprache in Südafrika und Indonesien, dem ehemaligen Niederländisch-Indien und im ehemaligen Belgisch-Kongo, dem heutigen Kongo-Kinshasa („DR Kongo“).[1] Beiwort ist niederländisch.

Niederländisch ist dialektal stark gesplittert und in zwei bzw. drei Großgruppen (Nordniederländisch, Südniederländisch, Ostniederländisch) gegliedert, wobei Erstere beiden zur Gruppe Niederländisch-Niederfränkisch und Letzteres zur Gruppe Niederländisch-Niedersächsisch summiert werden. Die niederländischen Dialekte setzen sich in Deutschland (Rheinmaasländisch) fort, wobei sich wiederum die deutschen Dialekte mit dem Ijsselländischen auch in Niederlanden und Belgien fortsetzen. Die Zugehörigkeit des Niederländischen zum Deutschen galt aufgrund der im 19. Jahrhundert etablierten Stammbaumtheorie lange Zeit als Usus. Doch seit 1945, spätestens seit Anfang der 1960er Jahre, wird es als germanische Schwesternsprache und nicht mehr als „verselbstständigter Zweig“ des Deutschen betrachtet.

Einen großen Einfluss auf das heutige Standaardnederlands „Standardniederländisch“ hatte, wie die lutherische Bibelübersetzung auf das Standarddeutsche, die zwischen 1619 und 1637 entstandene Statenbijbel „Staatenbibel“, in der im Wesentlichen die noch heute geltenden Regeln der niederländischen Orthografie und Grammatik festgelegt wurde.[2]

n~, Adjektiv, Attribut zu Niederländisch. Die Niederlande, die Niederländer oder die niederländische Sprache betreffend, für diese charakteristisch sein. Es wird allein bei namenähnlichen Fügungen oder in Fällen der Substantivierung großgeschrieben, ansonsten herrscht die adjektive Kleinschreibung.

Verhältnis zum Deutschen Bearbeiten

Niederländisch ist engste Verwandte des Deutschen. Als Oudnederfrankis  „Altniederfränkisch“ oder unter der Bezeichnung Oudnederlands „Altniederländisch“ ist es seit dem 10. Jahrhundert als Sprache bekannt. Die niederländischen Dialekte als solche entstammen dem Niederfränkischen und dem Niedersächsischen sowie dem Friesischen.

Letzteres hatte vor allem auf das Nordniederländische einen starken Einfluss, während das Südniederländische lange Zeit dem Französischen ausgesetzt war. Auch das Niederländische als solches entstammte im Wesentlichen aus den Stammesdialekten der Franken, Sachsen und Friesen.[2]

Niederländisch war bis in das späte 19. Jahrhundert in Westdeutschland (nördliches Rheinland) stark verbreitet und bildete im Zuge der deutschen Ostkolonisation eine Grundlage neuer deutscher Territorialdialekte.

Im 17. Jahrhundert entstand aus dem Niederländischen heraus das Afrikaans, das in Südafrika gesprochen wird.

Etymologie Bearbeiten

Niederländisch war ursprünglich der Sammelname aller kontinentalwestgermanischen Sprachen, die nicht von der II. Lautverschiebung betroffen waren. Das heißt, dass unter ihm sowohl das eigentliche Niederländisch als auch Niederdeutsch und Friesisch summiert wurden. „Niederländisch“ leitet sich von seiner geografischen Lage ab („niedere Lande“) und stellt das Pendant zu Oberländisch dar, was alle kontinentalwestgermanischen Sprachen südlich der Benrather Linie umfasste.

Eigenbezeichnung war bis Ende des 16. Jahrhunderts Duytsch „Deutsch“, was ein Kognat zum deutschen Glottonym darstellt und gleich wie dieses „volkssprachlich“ bedeutete. Ende des 16., Anfang des 17. Jahrhunderts kam für das Niederländische die Bezeichnung Nederduitsch „Niederdeutsch“ auf, als das Mittelniederdeutsche als Kultur- und Kanzleisprache auf deutscher Seite dem von Martin Luther (1483–1546) entwickelten Hochdeutsch („Lutherdeutsch“) wich, da „Deutsch“ als solches nun nicht mehr eindeutig war, da es nur noch auf das Hochdeutsche bezogen wurde.[3]

Nederlantsch oder auch Nederlandsch „Niederländisch“ kam erstmals 1518 auf[3] und wurde 1815 mit Gründung des Königreiches der Vereinigten Niederlande amtlich für die dortige Amtssprache, dem Neuniederländischen (Nieuwnederlands) angewendet. Seit 1878 gilt diese Sprachbezeichnung offiziell auch für das in Flandern gesprochene Südniederländische, wobei dieses bis heute umgangssprachlich als „Flämisch“ bezeichnet wird.

Siehe auch Bearbeiten

Literatur Bearbeiten

Fußnoten Bearbeiten

  1. 1,0 1,1 Claus Jürgen Hutterer: Die germanischen Sprachen, S. 258.
  2. 2,0 2,1 Claus Jürgen Hutterer: Die germanischen Sprachen, S. 262.
  3. 3,0 3,1 Claus Jürgen Hutterer: Die germanischen Sprachen, S. 268.